Schürrle, André

  • Verdreh bitte nicht schon wieder die Aussagen. Ich habe nicht geschrieben, "wie blöd ist er eigentlich", sondern dass keiner so blöd ist und ich das Dementi folglich für unglaubwürdig halte. Das ist ein ganz gewaltiger Unterschied.


    Mit deinen schwammigen und unkorrekten Darstellungen von "in der Regel", "ganz selten" und "90 %" kommst du außerdem nicht weiter. Von mir aus hast du beruflich damit zu tun, aber Ahnung hast du offensichtlich trotzdem nicht. Jeder, der ein Interview gibt, hat das Recht, auf Autorisierung zu bestehen. Dass Journalisten das gern umgehen würden, ist klar, aber deshalb muss man sich noch lange nicht drauf einlassen. Schürrle ist ein gefragter Gesprächspartner – er diktiert die Bedingungen, nicht der Journalist. Ist der Journalist damit nicht einverstanden, gibt Schürrle sein Interview eben einem anderen. Am längeren Hebel sitzt er in seiner Position immer. Wer der Sun ein Interview gibt und nicht auf Autorisierung besteht, ist entweder fahrlässig oder bescheuert. Wie ich oben schon schrieb, halte ich Schürrle und seine Berater nicht für bescheuert, weswegen ich das schwache Dementi nicht glaube. Das waren meine Aussagen und nicht irgendein Unsinn, den du da reininterpretierst. Das nervt nur noch, weil das bei dir mittlerweile reflexartig und häufig kein bisschen faktenorientiert oder gar konstruktiv passiert.


    Es entspricht auch schlicht nicht der Realität, dass sich Fußballer, die bekanntermaßen in voller Öffentlichkeit stehen und bei denen jedes Wort auf die Goldwaage gelegt wird, "in der Regel" nicht um Autorisierungen kümmern bzw. das ihre Berater nicht machen lassen. DAS wäre für die Fußballer nicht praktikabel, weil sie dann nur noch Saures bekämen. Um das zu wissen, muss man noch nicht mal was mit der Journaille zu tun haben.


    Wie häufig bin ich in der Situation? An 365 Tagen habe ich vielleicht 250 Medienanfragen, weswegen ich diesbezüglichen Unsinn umgehend als Unsinn erkenne. Davon ab ist mein Onkel mittlerweile beim vierten großen TV-Sender als Journalist und Filmemacher angestellt, kenne ich berufsbedingt einige häufig interviewte "Promis" (gerade aus dem Profi-Fußball), habe zahlreiche Artikel in großen Zeitungen für Journalisten (co-)verfasst oder lektoriert, weil ich das schlicht besser kann als 90-95 % der "Vollblut"-Journalisten (bei mir ist das keine Random-Zahl) und mich beim Studium eingehend mit Journalistik beschäftigt. Also noch mal: Erzähl mir keinen Unsinn, nur um was zu schwadronieren, das zu deiner Argumentation passt.


    Schürrles Gegendarstellung ist, wie oben bereits gesagt, schwammig. Dass er eine abgibt, habe ich nie kritisiert und ihm folglich auch nicht das Recht dazu abgesprochen, sondern lediglich gesagt, dass sie meiner Meinung nach unglaubwürdig ist. Der Artikel bringt derart umfangreiche Zitate, dass von einem Interview auszugehen ist. Hätte es das nicht gegeben, wäre das mit Sicherheit im Dementi erwähnt worden.

    "Muss denn so was wirklich sein? / Ist das Leben nicht viel zu schön? / Sich selber so wegzuschmeißen / und zum FC Bayern zu gehen! / Was für Eltern muss man haben, / um so verdorben zu sein, / einen Vertrag zu unterschreiben / bei diesem Scheissverein?"

  • Für mich ist Schürrles Gegendarstellung eher nichtssagend und klärt auch nicht auf - eher wischiwaschi. Die Leihe treibt ihn offensichtlich dazu nicht alle Türen endgültig hinter sich zu schließen und den Schlüssel wegzuwerfen. Ein Dementi oder eine Gegendarstellung sollte etwas mehr enthalten.

  • @ Pat: Ich komme mit dem Zitiersystem hier nicht zurecht. Jetzt ist die Hälfte meines Textes weg, inklusive der Zitate von dir.


    Wie ich heute gelesen habe und was mir gestern gar nicht bewusst war, ist das Konzept der Autorisierung eher ein Phänomen der deutschen Presselandschaft und wird im englischsprachigen Raum nicht gemacht. D.h. in England ist das gar nicht die Praxis und damit hatte Schü hier gar nicht die Möglichkeit eine Autorisierung zu verlangen. Er hätte lediglich ein Gespräch mit der "Sun" verweigern können. Damit ist unserer Streitpunkt auch irgendwie hinfällig.


    Bezogen auf Deutschland: Das wird trotzdem kein Fußballer häufig machen. Wie stellst du dir das in der Praxis vor? Der Journalist, der am Trainingplatz ein kurzes Gespräch mit dem Spieler führt, wird mit Sicherheit nicht darum gebeten, dass dem Spieler oder dem PR-Berater die dort getätigten Aussagen nochmal vorgelegt werden. Bei längeren interviews, die auch als Interview gedruckt werden, ist das was anderes.


    Es ist ja auch keine Einbahnstraße. Der Spieler ist auch drauf angewiesen, dass er in der Öffentlichkeit relevant bleibt. Autorisierungen sind aufwändig und den Nutzen meist gar nicht wert. Daher wird der Journalist auch irgendwann drarauf verzichten eine Stimme vom Spieler zu bekommen, wenn das mit so viel Arbeitsaufwand verbunden ist. Ich kenne mich beim Profi-Fußball nicht aus, aber nachträgliche Vorlage von Aussagen und Autorisierungen werden auch dort sicherlich kaum das Tagesgeschäft bestimmen. Jedenfalls außerhalb der großen Interviews. Im Fall von Schürrle hatte ich jetzt nicht das Gefühl, dass es ein Teil eines großen Interviews war, deshalb habe ich dir widersprochen. Kann natürlich auch sein, dass ich die Originalquelle gar nicht gesehen habe, sondern nur ein Ausszug.

    Zur Klarstellung: Ich wollte lediglich deine Hintergrund erfahren, damit ich deine Aussage besser einordnen kann. Ich hätte es irgendwie cooler gefunden, wenn du mir im gleichen Atemzug nicht Schwadronieren" oder "Unsinn" unterstellen sowie mir meine Erfahrung absprechen würdest. Ich habe auch im Medienbereich studiert, habe interviewlastige Filme gemacht, Artikel geschrieben, Pressetermine gemacht oder Interviews durchgeführt. Ich kenne unzählige Journalisten und viele Leute aus der PR und unterhalte mich mit denen. Ich kann daher nicht bestätigen, dass in der Praxis häufig eine Vorlage der Aussagen vor oder direkt nach einem Pressegespräch verlangt wird. Daher sind meine "90 Prozent" jetzt auch keine "Random-Zahl" - wie du es bezeichnest, - sondern eine Einschätzung basierend auf meiner Erfahrung. Warum du mir dafür so einen vor den Koffer geben musst, ist mir da echt ein Rätsel. Das könnte man auch etwas chilliger diskutieren und zwar ohne das Popcorn von Supahexe. Ich fänd es jedenfalls cool.


    Aber trotzdem danke für deine Ausführung. Mir ist deine Sicht klarer geworden. Ich habe das Gefühl, dass unser Konflikt auch daraus entsteht, weil wir das Thema aus zwei völlig unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten. Das ist ja per se nicht schlimm, aber den Beef jetzt sicher nicht wert.

    Jeder Mensch mit einer neuen Idee ist ein Spinner, bis die Idee Erfolg hat.
    ---- Mark Twain ----