Transfers zwischen emotionaler Bindung und sportlichem Erfolg

Die Transferphase neigt sich dem Ende entgegen und damit könnten in den nächsten Tagen und Wochen Entscheidungen fallen, die uns vielleicht auf emotionaler Ebene gar nicht passen werden. Als Thomas Tuchel anfang Juni das Amt als Trainer des BVBs übernahm war klar, eine große Aufräumaktion im Kader wird es nicht geben. Tuchel wollte sich nicht basierend auf Videobildern eine Meinung über unsere Jungs bilden. Die Jungs sollten eine Chance bekommen sich zu zeigen. Einige Spieler haben uns vor Trainingsbeginn bereits verlassen. Während hinter einem Jojic der zuletzt kaum Einsatzzeiten bekam kaum jemand hinterhertrauert war dies bereits bei Mitch Langerak anders. An Mitch, dem treue Bankdrücker, hingen viele Herzen. Meins auch. Seine Entscheidung zu Wechseln war trotzdem richtig, denn die Chance wieder nur Nummer 2 oder gar Nummer 3 zu werden war groß. Ein anderer Spieler hat die Chance die Tuchel jedem Spieler gab erst gar nicht nutzen wollen und stattdessen mit viel Theater einen Wechsel provoziert. Auch hier hält sich der emotionale Verlust für viele in Grenzen.


Jetzt, knapp 1 1/2 Monate nach Trainingsbeginn wird die Phase des Kennenlernens allmählich vorbei sein und die Rangordnung im neuen Team wird nach und nach zementiert werden. Es muss also zwangsläufig Gewinner und Verlierer geben. Tuchels Ankündigung Anfang Juni hat den Umbruch nicht aufgehoben, sondern nur aufgeschoben.


Die Befürchtung scheint momentan groß zu sein, dass alteingesessene Spieler den Verein verlassen müssen. Die emotionale Aufruhr ist groß. Es macht wohl einfach einen Unterschied, ob ein Moritz Leitner auf der Abgeberseite steht oder ein Kevin Großkreutz. Der eine könnte sich im Training voll reinhängen und würde wahrscheinlich trotzdem von fast jedem lieber an einem anderen Verein abgegeben werden. Der andere, der nach langer Verletzung momentan noch meilenweit hinter seiner Form hinterherläuft soll auf jeden Fall bleiben, selbst wenn er wahrscheinlich die meiste Zeit auf der Bank oder der Tribüne verbringen muss weil im Ligaalltag mit direkten englischen Wochen kaum Zeit ist um ihn nach der langen Auszeit tatsächlich wieder an die Mannschaft heranzuführen und schon gar nicht sich in alte Form wieder zu bringen.


Ich kann die emotionale Seite im Fall Großkreutz verstehen. Kevin ist ein Urborusse und gehört praktisch schon zum Inventar. Unverständnis herrscht wenn gefragt wird, ob Kevin mittlerweile zu schlecht für die Mannschaft ist. Vielleicht ist er mittlerweile zu schlecht und vielleicht nicht. Fakt ist aber, dass Kevin jetzt ein absolutes Seuchenjahr hinter sich hatte und das Kevin nach dem Ende der Kennenlernphase jetzt ganz am Ende der Nahrungskette steht hat noch nichtmal was mit seinem Können zu tun. Er ist schlicht nicht in Form um überhaupt groß helfen zu können. Er braucht definitiv noch Zeit und mit dem Ablauf des Transferfensters läuft ihm diese davon.


Kevin muss um beim BVB wieder sportlich Fuß zu fassen und zu alter Stärke zurückzufnden um auf hohem Niveau spielen zu können. Es gibt aber akutell keinen Grund irgendeinen Spieler für Kevin aus der Formation zu nehmen damit Kevin seine Spielpraxis haben kann. Spielpraxis kann Kevin nur in Liga 4 sammeln, aber ob er dadurch zu alter Stärke findet darf bezweifelt werden.


Die kalte Realität sieht so aus: Kevin ist kein Spieler der sofort aufgestellt wird sobald er wieder da ist. Wir haben einige Spieler im Kader die so einen Status haben, aber Kevin ist kein Reus, kein Miki, kein Auba oder Hummels. Kevin hat diesen Status seit spätestens zwei Jahren nicht mehr. Zuerst war er der Ersatz für Pischu und schaffte auf dieser Position im Kicker sogar das Prägikat Internationale-Klasse. Er spielte eine Halbserie die dazu führte, dass er sich mittlerweile auch Weltmeister nennen darf. Trotzdem musste Großkreutz seinen Platz auf dieser Position nach der Rückehr von Pischu räumen. Stattdessen ging es wieder zurück als Ersatz für ausgefallene Mittelfeldspieler. Eine Rolle in der Kevin immer weniger überzeugen konnte. Zwischenzeitlich fand er sich auch auf der Tribüne wieder weil selbst Jürgen Klopp die Spieler durchgegangen ist die er braucht um am Ende festgestellt hat, dass kein Platz für Kevin mehr ist. Die Situation für Kevin war also lange jetzt schon schwierig.


Wir wissen er hängt am Verein und möchte ihn nicht verlassen. Wir wissen aber auch, dass er spielen möchte. Momentan ergeben diese beiden Sätze keine Einheit.


Natürlich kann Kevin hoffen, dass seine Dienste wieder gebraucht werden falls sich mal jemand verletzt. Aber ist diese Situation gut für Kevin und seine Profikarriere? Ich denke eher nicht. Kevin soll spielen und wieder Spaß am Fußball haben. Die Chancen auf Einsatzzeiten sind in anderen Clubs deutlich höher als bie uns momentan.


Möglicherweise ist es unfair oder tragisch, dass Kevin zu Beginn der Vorbereitung noch verletzt war und sich jetzt ein System herauskristalisiert in dem er eigentlich keine große Rolle mehr spielt.


Letztendlich ist es aber auch egal ob wir einfach nur an Kevin emotional hängen oder wie wir ihn sportlich einschätzen. Ob er den Verein in diesem Sommer verlassen möchte sollte er alleine entscheiden. Das ist der Verein ihm schuldig.


Denn eins ist sicher, sollte Kevin gehen, dann werden alle darüber traurig sein, aber letztendlich wird er immer Borusse sein. Egal wo er spielt.

Jeder Mensch mit einer neuen Idee ist ein Spinner, bis die Idee Erfolg hat.
---- Mark Twain ----

Kommentare 3

  • Ein sehr guter Blog, der emotionale Bindung der Fans und sportlichen sowie betriebswirtschaftlichen Erfolg des Verei versucht zu verbinden. Wäre der Blog anonym, d.h. auf jeden Spieler anwendbar, wäre er angeschlossen und eine runde Sache. Da er sich aber auf Kevin Großkreutz bezieht sollte m.E. nicht unerwähnt bleiben, dass auch Kevins "Entgleisungen", neben dem Rasen, die sich in den letzten zwei Saisons häuften

    • Grund für seine Nichtberücksichtigung im Kader ist. Dazu seine Äußerungen in den sozialen Medien, die er trotz anderer Absprache mit dem Verein getätigt hat. Das Gesamtbild hat seinen Status beim BVB doch erheblich lädiertund Kevin üppig Narben zugefügt.

  • Ein super geschriebener Blog der den Zwiespalt zwischen emotionaler Bindung und sportlicher Wichtigkeit sehr gut auf den Punkt bringt. Besonders der letzte Abschnitt ist ein sehr treffender und gelungener Schlusspunkt für den Blog. :)