Ein Ende mit Schrecken

Lucien Favre muss gehen! Es ist die richtige Konsequenz aus den vergangenen Spielen, aber jetzt müssen weitere Entscheidungen folgen. Ein Haaland-Ersatz muss im Winter her, ein neuer Cheftrainer für die kommende Saison gefunden werden. Erst mal aber geht es darum, die Mannschaft wieder in die Spur zu bringen.


Am Nachmittag kam die Bestätigung: Borussia Dortmund trennt sich mit sofortiger Wirkung von Lucien Favre und seinem Co-Trainer Manfred Stefes. Das, was ich morgens noch in meinem Blog gefordert hatte, kam dann doch viel schneller als gedacht. Ich hatte einen Trainerwechsel im Winter ins Gespräch gebracht, weil ich eigentlich keine überhastete Entscheidung haben wollte. Aber im Endeffekt bin ich doch froh, dass es jetzt so schnell ging. Andernfalls hätte man sich mit schlechten Spielen und verlorenen Punkten bis Weihnachten geschleppt. So ist es jetzt ein Ende mit Schrecken, aber eben ein Ende.


Hätte man noch weitergemacht mit Favre, ich hätte mir tatsächlich Sorgen gemacht, dass man in der Vereinsführung auf die Idee gekommen wäre, mit dem 63-Jährigen zu verlängern. Nun muss er also gehen – und sein Co-Trainer gleich mit. Eine gute Entscheidung, denn letztlich war Manfred Stefes viel zu sehr mit Favre verbunden. Durch die gemeinsamen Jahre in Gladbach und nun in Dortmund wäre es mit Stefes in der verantwortlichen Position nur ein „Weiter so“ geworden. Genau das muss man jetzt um jeden Preis verhindern.


Mit der Entscheidung für Edin Terzic bin ich alles in allem zufrieden. Auch die Tatsache, dass man ihn gleich zum neuen Cheftrainer bis zum Saisonende ernannt hat, finde ich gut. So macht man immerhin nicht die öffentliche Baustelle auf, dass jede Woche gefragt wird, wann denn nun der neue Trainer präsentiert wird. Zumal ich außer Mauricio Pochettino ohnehin aktuell keinen Trainer gesehen hätte, der sofort übernehmen und zum BVB passen könnte. Leider bin ich mir aber auch recht sicher, dass der ehemalige Tottenham-Coach auf andere Aufgaben wartet.


Die Erwartungshaltung, dass wir mit Terzic nun unseren persönlichen Hansi Flick gefunden haben, möchte ich aber gar nicht erst aufbauen. Für Bayern München war Flick der Sechser im Lotto, aber eben genauso unwahrscheinlich. Für unseren neuen verantwortlichen Mann an der Seitenlinie wird es jetzt erst einmal nur darum gehen dieser Mannschaft wieder eine Struktur und eine klare Linie zu geben. Außerdem müssen Entscheidungen getroffen werden, wer hier überhaupt noch auf dem Platz stehen darf und wer nicht. Kurzum: Wir brauchen wieder ein Leistungsprinzip, von dem auch gestandene Spieler nicht ausgenommen sind.


Aber nicht nur Terzic hat jetzt eine Aufgabe, auch die Bosse haben ein paar Dinge zu erledigen. Erst einmal geht es im Januar darum, den Fehler zu korrigieren, im Sommer keinen zweiten Mittelstürmer verpflichtet zu haben.* Dafür muss man nicht mal viel Geld ausgeben, aber ich erwarte schon, dass man sich nicht allein auf eine baldige Genesung von Erling Haaland verlässt. Und anschließend kann man sich mal umhören, welche Trainer für Borussia Dortmund denn infrage kämen. Julian Nagelsmann schließe ich da schon mal aus, der ist mit RB Leipzig ziemlich erfolgreich und sieht seinen nächsten Karriereschritt wohl ohnehin im FC Bayern. Dann soll er bitte keinen Umweg über Dortmund machen.


Begrüßen würde ich tatsächlich Marco Rose. Bei dem halte ich – auch wenn er noch gar nicht so lange in Gladbach ist – eine Verpflichtung zudem für wahrscheinlicher. Aber egal, wer am Ende bzw. im Sommer kommt, er wird diesen Kader rigoros aussortieren müssen. Er wird im Gegensatz zu Tuchel damals auch den Vorteil haben, keine Fanlieblinge vor die Tür setzen zu müssen. Viele gibt es davon schließlich nicht mehr, dafür hat die Mannschaft in den letzten Monaten gesorgt. Selbst ein Marco Reus muss sich Kritik gefallen lassen. Nach aktuellem Stand würde ich allenfalls fünf Spielern eine Weiterbeschäftigung garantieren.


Im Idealfall kann man sich mit dem neuen Cheftrainer schon relativ zu Beginn des Kalenderjahres einigen und mit ihm Transfers absprechen, um im Sommer einen Umbruch und einen Neustart vollziehen zu können. Ich weiß, das wollten Watzke und Zorc immer verhindern, weil man sich damit wieder zurücksetzt, ich sehe allerdings keine andere Möglichkeit mehr. Die Mannschaft, so wie sie jetzt zusammengestellt ist, funktioniert schlichtweg nicht. Ich hoffe und wünsche mir nur, dass Edin Terzic es schafft, den BVB wieder für die Champions League zu qualifizieren. Das wäre aus finanzieller Sicht wichtig.


Jetzt bleibt mir nur noch eines zu sagen: Viel Erfolg!



*Nachtrag (14. Dezember): Michael Zorc hat auf der Pressekonferenz vor dem Spiel gegen Werder Bremen die Frage nach einem zweiten Mittelstürmer beantwortet. Aus verschiedenen Gründen – unter anderem möchte man Moukoko niemanden vor die Nase setzen – wird Borussia Dortmund im bevorstehenden Transferfenster keinen neuen Stürmer verpflichten.

Kommentare 4

  • Warten wir doch mal ab, wie sich die Mannschaft jetzt entwickelt, wenn die taktischen Ketten gelockert werden. Wenn ich vor jedem Pass oder Torschuss erst einmal eine Gleichung mit zwei Unbekannten lösen müsste und nicht meinem Instinkt folgen dürfte, hätte ich auch keine Lust mehr.

    • Die Mannschaft hat es sich doch auch selber oft genug schwer gemacht. Hier noch ein Querpass, da noch eine Ablage. Da waren Reyna und Haaland zuletzt die Einzigen, die einfach mal abgezogen haben. Aber jetzt hat jeder Spieler bis zum Sommer Zeit und kann/muss sich zeigen – ohne Ausreden.

    • Geht's raus und spuit's Fußball ...

      (Franz Beckenbauer - Fußballphilosoph)

    • +1 - Spuit's!


      Ich glaube auch, dass die Mannschaft, wenn man sie lässt, uns mehr (positiv) überraschen wird als viele denken.

      Marco wieder auf halb-links, zusammen mit Rapha & Gio, wahlweise Jadon.

      Rechts ist's etwas verödet, joa.

      Axel wieder so wie er spielte, als er kam.

      Mir ist da nicht Bange, und das bisschen mehr an GEDULD werde ich jetzt auch noch aufbringen.