Warum Favre bereits im Winter gehen sollte

Eine Entwicklung, die nach unten zeigt, eine Mannschaft, die ihrem Anspruch hinterherläuft, und ein Saisonziel, das massiv gefährdet ist. Ich bin kein Fan von Trainerentlassungen mitten in der Saison, aber ich halte es für nötig, dass Favre im Winter geht.


„Das war eine Katastrophe.“ Und einmal kann ich Lucien Favre voll und ganz zustimmen. Dass er anschließend trotzdem zweimal betont, Stuttgart habe gut gespielt, passt ins Gesamtbild. Wenn man schon auf der Pressekonferenz vor dem Spiel davon spricht, dass der Gegner „extrem gefährlich“ sei – was Favre wohl auch über einen Drittligisten sagen würde –, muss man sich fast nicht wundern, wenn die Mannschaft auch mit dieser Einstellung in ein Spiel geht. Am Ende ist diese Klatsche eben „schwer zu erklären“. Nur, Herr Favre, wer außer Ihnen soll sie denn erklären?


Was mit der Hinrunde 2018/19 überragend begonnen hat, stagnierte erst und entwickelt sich seit nun gut einem Jahr in die komplett falsche Richtung. Auf einmal ist für diese Mannschaft nicht mehr der FC Bayern das Maß aller Dinge, sie scheitert bereits an Teams wie Augsburg und Köln – Pflichtaufgaben, wenn man mal davon ausgeht, was eigentlich der eigene Anspruch ist. RB Leipzig hat die Rolle als neuer Bayern-Jäger längst übernommen. Wie sollte es auch anders sein? Wir jagen ohnehin niemanden mehr, wir laufen allenfalls noch alibimäßig hinterher.


Und selbst das ist nach dieser 1:5-Pleite – in Worten: eins zu fünf – Geschichte. Der VfB hat uns schonungslos aufgezeigt, was Einzelkönner wie Haaland und Reyna in dieser Saison noch gelegentlich vertuschen konnten. Es funktioniert nichts mehr. Dass wir gerade dabei sind, den Anschluss an die Champions League-Plätze zu verlieren, ist die logische Konsequenz. Gewinnt Bayer Leverkusen heute Abend, sind die ersten drei Tabellenplätze für den BVB weg. Dann können wir uns noch mit Wolfsburg um den vierten Platz streiten – wenn überhaupt.


Die Saisonziele in der Bundesliga sind mit Lucien Favre gerade massiv gefährdet. Da hilft auch das Weiterkommen in der Champions League nicht. Qualifizieren wir uns nur noch für die Europa League, ist die Verteilung der TV-Gelder im deutschen Fußball Watzkes kleinstes Problem. Gerade jetzt, wo die Vereine durch die Corona-Pandemie hart getroffen werden, sind die Millionen aus der Königsklasse wichtiger denn je, möchte man den Anschluss nach oben nicht verlieren. In der Liga sind Leipzig und Leverkusen ohnehin schon dabei, uns den Rang abzulaufen.


Man wollte nach Tuchel einen Trainer, der nicht mehr so aneckt, mit dem es harmonischer läuft. Nun ist Favre ein harmonischer Typ, keine Frage, aber das bringt uns gerade nichts. Jede Woche stehen die gleichen Spieler auf dem Feld, die auch schon davor keine Leistung mehr gebracht haben. Wirkliche Veränderungen? Nicht zu sehen. „Wir müssen mehr Geduld haben“, sagte Favre nach der 0:2-Niederlage gegen Augsburg im September. Nun, meine Geduld war aufgebraucht, als wir gestern mit 1:4 zurücklagen, Favre aber erst in der 86. Minute wirklich reagierte.


Was hat er mit seinem Trainerteam bitte in den 20 Minuten davor gemacht? Man hat doch gesehen, dass die Einwechslungen von Reinier (59.) und Nico Schulz (64.) nichts gebracht haben. Was soll der Linksverteidiger Schulz beim Stand von 1:4 auch ausrichten? Also sollte Moukoko es in den letzten paar Minuten drehen? Der gerade 16-Jährige, den wir ja nicht verbrennen wollten, der nun aber in einem Spiel nach dem nächsten noch irgendwas verändern soll. Aber klar, wozu brauchten wir im Sommer auch einen zweiten Mittelstürmer?


So, wie es aktuell läuft, kann es jedenfalls nicht weitergehen. Ich war der Meinung, dass Favre bis zum Saisonende weitermachen sollte, weil ich unsere Saisonziele mit ihm trotz allem nicht gefährdet sah. Ich habe mich geirrt. Sicherlich ist Favre nicht das einzige Problem, das wir haben. Aber da wir im Winter nicht mal einfach so die halbe Mannschaft austauschen können, sich aber dringend etwas verändern muss, bleibt nur eines: Favre und sein Co-Trainer Manfred Stefes müssen gehen. Wer dann übernimmt, ist eine andere Frage, nur so geht es halt nicht weiter.


Ich bezweifle, dass man über Weihnachten einen passenden Trainer für die Zukunft findet. Und selbst dann ist die Frage, ob dieser Trainer mit dieser Mannschaft nicht auch scheitern würde. Im Zweifelsfall sollen erst mal Co-Trainer Edin Terzic und U23-Coach Enrico Maaßen übernehmen. Und dann können wir gucken, dass wir bis zum Sommer einen neuen Cheftrainer finden, der im Kader ohne Rücksicht auf irgendwelche Befindlichkeiten aussortiert. Dann müssen wir eben doch noch mal neu starten – uns bleibt nichts anderes übrig.

Kommentare 5

  • Nu is der wech! 😁

    • Schneller als ich gedacht hätte. Aber ich bin zufrieden mit den Entscheidungen, die nun getroffen wurden.

    • Neuanfang ist wichtig! 👍

    • Den wird es hoffentlich im Sommer geben. Dann kann auch der Kader überprüft und verändert werden.

    • 👍 👍 👍