Neu Gedanken in der Sommerpause

Normalerweise würde man sich in diesen Tagen im Jahr wieder auf die neue Saison freuen.

Reicht es diesmal? Wie schlagen die Neuzugänge ein? Wie kommen wir aus den Startlöchern?

Doch was ist dieser Tage schon normal? Ich für meinen Teil verspüre nicht diese Vorfreude. Nicht das Kribbeln, wenn man auf den ersten Stadionbesuch hinfiebert. Wie auch? Die Aussicht auf teilgefüllte Stadien ersticken die Begeisterung für die neue Saison im Keim.

Nicht Missverstehen – die Vorkehrungen sind wichtig und richtig in Zeiten von Corona – nur mir nimmt das die pure Freude am Fußball.

Das ist doch das Schöne - man sieht Freunde und Bekannte zum Teil nach Monaten wieder, diskutiert vor dem Spiel, freut sich zusammen, schreit, schimpft und singt. Man wird eins mit dieser schwarzgelb brodelnden Masse und erlebt im Bestfall die pure Ekstase.

Wie soll das möglich sein bei Einhaltung der Abstandsregel, mit Leuten, die man größtenteils gar nicht kennt und eine komplett andere Stadion-Sozialisation erfahren haben. Selbst die Südtribüne ist schon eine sehr heterogene Masse, wo jeder Block irgendwie anders tickt. Aber Besucher aller Tribünen bunt zusammengewürfelt sollen für ein Stadionerlebnis sorgen? Von mir besuchte Freundschaftsspiele (Fuji-Cup in Lüdenscheid vor hundert Jahren – grauselig), beweisen das Gegenteil.

Ich fürchte, in diesem Rahmen wird vielleicht noch das Singen von „You’ll never walk alone“ zum kleinsten gemeinsamen Nenner. Viel mehr? Mir fehlt der Glaube.

Jetzt stellt sich die Frage, tut man sich selbst und auch der Mannschaft damit einen Gefallen?

Ich denke nein. Ich fürchte, die Atmosphäre ist mehr spooky, als beim Geisterspiel. Dieses Grundrauschen, das wir ja schon aus der Aktion „12:12“ kennen, empfinde ich jedenfalls surrealer, als Spiele ganz ohne Zuschauer. Ich denke, ein positiver Effekt auf die Mannschaft wird so auch ausbleiben.

Für mich alles Gründe abzuwägen, dass das Restrisiko, das trotz aller Sicherheitsvorkehrungen doch noch bleibt, schwerer wiegt, als der sehnlichst vermisste Stadionbesuch.

Das sind aber meine ganz persönlichen Prioritäten und ich verurteile niemanden, der trotzdem wieder ins Stadion geht. Für mich ist das auch nicht die große Glaubens- oder Systemfrage, wie bei den Ultras. Ich habe da halt keinen Bock drauf.

Vielleicht verpasse ich auch was und es entsteht ein ganz neuer Spirit im Westfalenstadion.

Aber so richtig wird es sich für mich erst wieder anfühlen, wenn es wieder so sicher ist, dass 80.000 im Tempel sind und den BVB ohne einen Gedanken an Corona nach vorne schreien.


THE SITH CODE

Peace is a lie, there is only passion.

Through passion, I gain strength.

Through strength, I gain power.

Through power, I gain victory.

Through victory, my chains are broken.

The Force shall free me.

Kommentare 5

  • Mir geht es ebenso. Trotzdem stellten sich bekannte Gefuehle ein, als ich heute im Guardian las, dass Man United neben 90 Mio Sancho ; mit dem man einig sei, auch Verteidiger braucht.

  • Trifft* meine Gedanken ziemlich genau. Das wäre nicht der TEMPEL.
    (Und * auf die FÖRSTEREI ja auch zu...)

  • Klasse geschrieben und - ja! Mir geht es genauso.

    Danke für diesen Beitrag.

  • Daumen hoch!!!

  • Geht mir auch so. Dabei bin ich gar kein Stadiongänger.