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Seit über einem Monat spielt die Bundesliga jetzt wieder. Ein Monat, in dem ich mich von Live-Fußball ferngehalten habe. Einiges hat sich seit Beginn der Coronakrise verändert, nicht nur in der Bundesliga, auch bei mir. Es wird Zeit zurückzukommen.


Ich hatte viel Zeit zum Nachdenken. Ich habe über Fußball nachgedacht, über Geld und Investoren, über Tradition und Fans. Manche Dinge betrachte ich mittlerweile anders. Erstes und wohl auch bestes Beispiel: Ich habe eine Jacke und ein T-Shirt von Paris Saint-Germain gekauft. Der Verein, der für einen mittelmäßigen Schauspieler 220 Millionen Euro bezahlt hat. Dem ich vorgeworfen habe, den Fußball kaputt zu machen. Für den ich insgeheim aber immer schon ein bisschen was übrig hatte. Erst recht seit Thomas Tuchel dort Trainer ist. Nicht zu vergessen, dass PSG mit Nike und Jordan wirklich schöne Klamotten für die Fans produziert.


Natürlich ist mir bewusst, für was der Scheichklub steht. Er ist neben Vereinen wie Manchester City und RB Leipzig der Inbegriff der Kommerzialisierung des Sports. Aber sind diese Klubs wirklich die Ursache oder nicht doch eher das Symptom? Es waren die Fußballverbände, die Scheichs und Unternehmern mit zu viel Geld Tür und Tor geöffnet haben. England und die Premier League, die Heimat des Fußballs, die bekannteste Liga der Welt, besteht seit Jahren nur noch aus Klubs, die in der Hand irgendwelcher steinreicher Männer oder Familien liegen. Trotzdem schauen wir uns das an, trotzdem feiern wir Jürgen Klopp bei jedem Titel mit dem FC Liverpool.


Ich habe die RB-Klubs verurteilt. Wie Spieler erst in Salzburg und dann nach Leipzig verschoben werden. Vorbei an allen Transferregularien der Uefa. Aber Red Bull findet diese Lücken eben. Und seitens der Verbände gibt es keine Gegenwehr, kein ernsthaftes Hinterfragen. Vielleicht will man das auch gar nicht, immerhin pumpt Red Bull mit seinem Imperium Millionen in den Profifußball. Bei solchen Summen drücken die Verbände gerne mal ein Auge zu. Und als würde es in der Premier League nicht anders laufen. Dort werden junge Spieler jahrelang kostengünstig in ganz Europa verliehen. Die wechseln häufiger den Klub als ihre Unterwäsche. Nicht hygienisch, aber regelkonform.


Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich das hinnehmen muss, wenn ich Fußball gucke. Wer glaubt, dieses Rad könnte man noch mal zurückdrehen, der irrt gewaltig. Proteste der Fans in allen Ehren, aber der DFB und die DFL werden sich niemals gegen Dietmar Hopp, Dietrich Mateschitz oder Martin Kind richten. Das sind die Männer, die das Geld mitbringen, nach dem sich die Bundesliga so sehnt. Wir versuchen mit England, Spanien und Italien mitzuhalten. Dann müssen wir uns auch von unseren angeblichen Prinzipien verabschieden, sofern es sie denn jemals gegeben hat. Dann sind Scheichs und Unternehmer eben der (nicht mehr ganz so neue) Standard.


Diese Gier nach Geld im gesamten Profifußball macht auch jegliche Tradition zunichte. Es spielt gar keine Rolle mehr, ob ein Verein nun schon vierzig oder erst vier Jahre in der Bundesliga verbracht hat. Spätestens in der Bundesliga angekommen, werden die Fußballabteilungen der Vereine in der Regel ausgegliedert. Ballspielverein Borussia 09 e.V. Dortmund. Die Borussia Dortmund GmbH und Co. KGaA, von der Puma (5,0 Prozent), Evonik (9,83) und Signal Iduna (5,43) zusammen mehr als 20 Prozent besitzen. Diese Unternehmen kaufen sich die Aktien am BVB sicher nicht, weil Dortmund so eine schöne Stadt ist und sie den Fans etwas zurückgeben wollen.


Gleiches gilt für die Arbeitnehmer dieser GmbH und Co. KGaA. Die Zeiten, in denen Spieler wirklich aus Überzeugung und nicht wegen des Geldes bei einem Klub gespielt haben, sind längst vorbei. Würde Manchester City oder Paris Saint-Germain unseren Spielern x Millionen mehr pro Jahr bieten, wäre die einzige Frage, die sie stellen würden: „Wo muss ich unterschreiben?“ Dem Spieler ist es egal, welches Wappen er auf seiner Brust trägt, ihm geht es in erster Linie nur darum, welche Zahl am Ende des Monats auf seinem Konto erscheint. Und das ist vollkommen in Ordnung. Es zeigt nur, dass echte Vereine mit Tradition nicht mehr zählen.


Ich mag guten Fußball. Ich gucke es mir gerne an, besonders dann, wenn zwei absolute Topklubs in der Champions League aufeinandertreffen. Nur sind das dann eben Vereine, die längst keine Vereine mehr sind. Das hat mit dem Ursprung des Fußballs, mit dem echten Fußball nichts mehr zu tun. Es ist ein Hochglanzprodukt. Die Ligen, die Vereine, alles bis ins letzte Detail kommerzialisiert. Dafür ist der Fußball, der dann gespielt wird, eben auch ein Hochglanzprodukt – und nicht die Altherren-Liga auf einem Acker in irgendeinem Kaff mit drei Zuschauern (außer vielleicht in Hoffenheim).


Fußball wird immer ein Teil in meinem Leben sein, aber ich werde ihn in Zukunft nicht mehr so in den Mittelpunkt stellen wie bisher. Das ist mir während der Coronakrise bewusst geworden. Ich muss mein Leben nicht nach Spielen von Borussia Dortmund ausrichten. Ich mache das nur, weil mir der Verein sehr viel bedeutet. Doch am Ende ist der BVB eben auch nur ein Klub wie jeder andere in diesem ganzen System. Diese Unterscheidung in gute und böse Vereine ist in meinen Augen sinnlos geworden. Ich schaue Fußball, um geile Spiele zu sehen. Und wenn das am Ende RB Leipzig gegen Bayern München ist, dann ist das eben so. Es ist mir irgendwie egal geworden.

Kommentare 13

  • NEIN, wir sind nicht wie die. Sicher muss man in der schönen neuen Fußballwelt als Verein die dreckigen Spielchen zum Teil mitgehen, um mithalten zu können. Der große Unterschied liegt für mich aber darin, woher man kommt. Hat man sich die finanziellen Vorteile aus einer über Jahrzehnte aufgebauten Strahlkraft erarbeitet, oder wurden diese Clubs aus einer Laune eines Investors einfach entgegen allen Regularien installiert.

    Und auch dieses wir Fans könne nichts machen, gehe ich nicht mit. Gerade die Corona-Krise macht deutlich, dass dieser Zirkus ohne uns NICHTS ist. Und dieser Macht sollten wir uns durchaus bewusst sein. Wie weh es diesen Pfeifen tut, wenn man den Finger in die Wunde legt, hat die Androhung von Spielabbrüchen vor Corona ja gezeigt. Und wenn das die einzige Möglichkeit ist, sich Gehör zu verschaffen, dann sei es halt so. Bin aber dann auch gespannt, wie man Sky diese Sendeausfälle erklärt.

    Schweigend den Strom mit zu schwimmen, ist jedenfalls keine Option.

    • Naja, selbst ohne Corona: das Stadion ist trotzdem voll, egal, ob die Ultras zum Boykott aufrufen oder nicht. Das hat man bei den Spielen gegen RB gesehen. Aber ich antworte dir heute Abend ausführlicher.

    • So, nun etwas ausführlicher. Auf die RB-Vereine trifft deine Aussage sicherlich zu. Da stand bei der Gründung der Vereine die Vermarktung von Red Bull im Vordergrund. Erst recht bei der Gründung von RB Leipzig. Aber z. B. die ganzen Premier-League-Klubs bringen eine unglaubliche Historie mit. Trotzdem bewahrt man dort nicht den Fußball an sich. Manchester City ist schlichtweg ein Scheichklub, aber eben einer mit sehr langer Tradition. Ist das nun besser?


      Und zu den Fans: Dieser Zirkus geht gerade auch ohne die Fans weiter und es werden bei den Spielen stattdessen Tonaufnahmen wie in Fifa 20 eingespielt. Die Einschaltquoten nach der Corona-Pause waren für Sky herausragend. Da hat sich so gut wie niemand gefragt, ob man das jetzt aus Solidarität mit den Fans nicht gucken sollte. Da haben alle nur gesagt: "Joa, muss halt weitergehen." Und dann wurde Bundesliga geguckt.


      Auch das Boykottieren von Spielen führt doch zu nichts. Sky ist es herzlich egal, ob da nun Ultras im Stadion stehen oder irgendwelche Klatschpappen-Fans. Das, wie schon geschrieben, hat man bei den Spielen gegen RB Leipzig gesehen. Der Verein hat die Karten alle verkauft bekommen und Sky konnte volle Tribünen zeigen. So wirklich gebracht hat das nichts.


      Ich sage auch gar nicht, dass man schweigend mit dem Strom schwimmen muss. Nur muss einem bewusst sein, dass die Stimme eines Fans im Grunde egal ist. Und selbst die Stimme einer ganzen Fangruppierung hat m. E. nicht so viel Gewicht, um einen ernsthaften Einfluss auf den Fußball haben zu können. Möchte man ernsthaft gegen den Strom schwimmen, bleibt nur, Profifußball gar nicht mehr zu gucken. Diesen Schritt möchte ich für mich aber nicht gehen.

  • Da steht schon sehr viel Wahres. Leider!

    • Und trotzdem bleibt uns am Ende nur, es hinzunehmen. Oder wir müssten uns vom Profifußball eben komplett verabschieden und die Spiele der nächsten Dorfmannschaft schauen. Das wäre fußballerisch aber teilweise nur schwer zu ertragen.

  • Tja, leider konnte ich das "liken".

    Alles geschrieben…


    Halt!

    4(!) Spiele innerhalb der Bundesliga und vereinsbedingte "andere" Spiele habe ich dann doch noch auf dem Schirm:

    - Bayern und Schalke.

    - Juve und Liverpool (nicht wg Kloppo!).

    - SC Union 08 Lüdinghausen ;-)

    • Sind das dann die einzigen Spiele, die du noch schaust?

    • Ja, super-seziert ausgewählt, aus verschiedenen Beweggründen:

      - Schalke … für mich schon immer ein Muss - nachbarschaftliche Rivalität übt auf mich eine der größten Faszinationen aus.

      - Jodler … sportliche Rivalität, egal unter welchem Deckmantel (BuLi, Suppenkasper-Cup, Post-Corona-Knete-sammeln-Spiel, …), alles drietens. Sobald wir gg die spielen habe ich Adrenalin.

      - JUV/LIV … europäische Sympathieträger mit deutlichen "Vorsprung" der Bianconeri *herz_liebe_sprache*-Smileys :-)

      - Lüinghusen, oder Hochdeutsch: Lüdinghausen … wenn ich Mal in meinem Geburtsort bin, wo ich lange Zeit in genau DEM Verein Tischtennis gespielt habe ;-)


      So Engin, das war's dann auch zu den Begründungen :panda:


      Ach so, Sportschau/ASS und das "Gelumpe" tue ich mir nicht mehr an; nicht, weil DIE schlecht sind, sondern weil DIESER SPORT abgedriftet ist. 1x schauen reicht dann deutlichst!


      Und bei dir?

    • Oh, vielleicht ist das in meinem Blog nicht ganz so deutlich geworden. Ich werde wieder Fußball gucken und ich werde mir auch wieder die Spiele von Dortmund anschauen. Für mich ist es nur so, dass ich nicht mehr so einen Aufwand betreibe, um auf jeden Fall ein Spiel zu sehen, wenn ich an dem Tag eigentlich mit anderen Dingen beschäftigt bin.


      Ich habe für meinen Teil einfach akzeptiert, dass Profifußball ein dreckiges Geschäft ist. Von daher werde ich mir dann auch Spiele von Leipzig oder Manchester City anschauen, wenn ich sie interessant finde. Ich mache da keinen Unterschied mehr. Ich gucke mir gerne guten Fußball an, aber ohne den ganzen Kommerz drum herum wird es den nicht mehr geben.


      Dementsprechend mache ich auch kein Gedöns mehr, dass ich niemals ein Trikot von PSG oder Manchester City tragen würde. Wenn ich sowas schön finde und irgendwo kostengünstig bekomme, kaufe ich es und ziehe es an. Da bin ich dann ein bisschen wie die Fußballer: es ist mir (fast) egal, welches Wappen ich auf meiner Brust trage. Hauptsache, ich sehe gut aus. ^^


      Trotzdem wird der BVB meine Nummer eins bleiben.

    • Das ist doch auch genau richtig. Wenn ein Geburtstag der Familie ansteht, geht das vor! wenn BVB echt mal wieder am letzten Spieltag um die Meisterschaft ernsthaft spielt, könnt ich mir vorstellen am Handy zu gucken. Mehr aber auch nicht. War Fussball sowieso nicht immer als Hobby Nr.1 deklariert worden? Als Hobby haben viele Menschen den Sport als Zwang für sich ausgemacht und das ist glaube ich nicht der Sinn bei einem Hobby. Ich liebe den BVB und auch den Fussball. Dennoch gibt es immer etwas wichtigeres im Leben und diese Dinge sollte man dann auch eher nachgehen. Das ist meine Meinung. Ich werde sicherlich nicht mehr die Preise von Sky zahlen. Der Vertrag läuft aus und dann Tschüss. Wenn dann guck ich halt wie früher Sat.1 :D

  • Super geschrieben und - wie ich finde - ein bemerkenswerter Blog, mit dessen Inhalten ich nicht unbedingt uneingeschränkt konform gehe, der mich aber sehr zum Nachdenken veranlasst (hat).

    • Darum geht es doch in einem Forum. ;)

    • Ja, genau darum geht es!