Aber eins, aber eins, das bleibt bestehen ...

Ich will mein Leben zurück.

Fast einen Monat sitze ich nun im Home-Office. Eigentlich eine schicke Sache. Kaum Kontakt zu nervenden Kollegen, man kann ruhig und konzentriert arbeiten. Es läuft. Und läuft. Und läuft … :sleeping:


Wir haben das Glück, zu zweit eine ziemlich geräumige Wohnung mit Garten zu bewohnen. Auch das ist Luxus. Wenn man sich gegenseitig auf den Keks geht, geht man sich aus dem Weg. Man kann an die frische Luft, wenn einem danach ist. Während viele um ihren Job bangen, geht es uns hier auch gut. Meine Frau ist Erzieherin und auch ich habe das Glück in einer anscheinend „systemrelevanten“ Branche zu arbeiten. Unsere Töchter in USA, Spanien und Italien wurden jedenfalls so eingestuft. Sollte es hier zum kompletten Lockdown kommen, geht es bei uns wohl auch weiter. Esst also schön euren Industrie-Zucker 😉.

Der große Angstmacher ist, dass wir zwei beide wohl zur Risikogruppe gehören. Da macht man sich schon Gedanken. Gott sei Dank sind wir altersmäßig unter 50 – aber das muss ja nichts heißen. Wir hätte uns beide gegenseitig schon fast verloren und das ist ein Stachel, der tief sitzt. Zumal die Angst um den anderen um so vieles schlimmer ist, als um sich selbst. Aber auch da kommen wir durch. Deshalb können wir aber auch die ganzen Maßnahmen verstehen und halten uns auch daran. Wir akzeptieren es. Alles in allem geht es uns der Situation entsprechend gut. Leicht ist es trotzdem nicht.


Das Leben fließt so vor sich hin. Arbeit und Freizeit gehen ineinander über. Es fehlt das konkrete Ziel. Die kleinen Sachen. Mal essen gehen. Ins Kino. Einfach nur der doofe Freitagabend – hoch die Hände, Wochenende. Irgendwie geht alles ineinander über. Welchen Wochentag haben wir eigentlich? Jammern auf hohem Niveau. Mir fehlen die Freude und Spannung aufs nächste Spiel. Ich will mich aufregen, ärgern, freuen. All die Emotionen ausleben, die den Fußball im Allgemeinen und unseren BVB im Besonderen doch ausmacht.


Sicher, der Fußball unternimmt momentan alles Menschenmögliche sich weiter von der Basis zu entfernen. Die Millionäre feiern sich als Helden, weil sie auf einen kleinen Teil ihres Wahnsinns-Salärs verzichten. Tun 2 Millionen wirklich weh, wenn man trotzdem noch 6 bekommt? Gleichzeitig bettelt man uns an, „den ein oder anderen Euro beim BVB zu lassen“. Dankeschön. Watzke gibt Interviews, die man nicht dem arrogantesten Bayern-Funktionär zugetraut hätte. Fremdschäm-Momente. Man lebt weiter in seiner Blase und denkt nicht ansatzweise diese zu verlassen. Man will die Bundesliga durchziehen und das ohne Rücksicht auf Verluste. Ohne Zuschauer. Geisterspiele. Die Profis unter ständiger medizinischer Betreuung und exklusiven Corona-Tests. Abgehoben und ekelhaft.


Und trotzdem, eine kleine Stimme in mir ruft „Hey, lieber Geisterspiele als gar nichts!“. Einfach wieder ein Break in dieser zermürbenden, langweiligen Endlosschleife. Mal einfach wieder nur an scheiß Fußball denken und sich keine Sorgen machen. Sich über Favres Aufstellung ärgern. Den Ballbesitz verfluchen. Und am Ende wegen Haalands Siegtreffer eskalieren. Ablenkung in diesen Dreckszeiten.


Wie ich es schon schrieb: ja, wir sind privilegiert – ja, es ist Jammern auf hohem Niveau. Aber manchmal muss man auch Jammern dürfen.


Es kommen wieder bessere Zeiten. Bestimmt!

Wir werden wieder im Stadion sein, oder am Fernseher.

Gemeinsam „You’ll never walk alone“ singen.

Der Tag wird kommen, an dem das wichtigste auf der Welt dieser eine Augenblick ist, in dem sich der Ball vor der gelben Wand zeitlupenartig in den Winkel dreht. In dem wir uns in den Armen liegen und einfach nur diesen einen Moment genießen.

Diesen einen Moment, an dem die Welt für einen kurzen Augenblick still steht und ein scheiß Virus aus unseren Gedanken verschwindet.


Bitte bleibt gesund. Wir sehen uns wieder.


#nurderbvb #fuckcorona #abereinsabereins


THE SITH CODE

Peace is a lie, there is only passion.

Through passion, I gain strength.

Through strength, I gain power.

Through power, I gain victory.

Through victory, my chains are broken.

The Force shall free me.

Kommentare 3

  • Wunderbar geschrieben. Sollte man so als Kolumne abdrucken. Grandios, danke!!

  • Danke Danke Danke!!! ( Knutschsmiley )

  • Ich halte Geisterspiele mittlerweile für nicht mehr so schlimm. Mein Gegenargument fällt ja aktuell weg, denn Kneipen sind ja zu. D.h. wenn die Spiele auch für die Sportler ohne Ansteckungsrisiko durchgeführt werden können, dann sollen sie es machen. Allerdings darf das nie zu einer Verschwendung an Corona-Tests führen. Wenn das notig ist, dann soll man die Liga lieber abbrechen.