Ein Abend zum Vergessen

Ich will hier gar nicht groß darauf eingehen, dass die Leistung einiger Akteure grottig war, der junge Keeper einem richtig leidtun konnte, oder aber auch der Schiri unter dem ein oder anderen Blindheitsanfall litt – geschenkt. Alles nur die passenden Begleitumstände für einen katastrophalen Abend.


Mal von Anfang an. Spiele unter der Woche sind Sch**ße. Bis fünf arbeiten. Nach Hause eilen. Umziehen. Essen reinschlingen und wieder los.

Um es etwas entspannter zu haben, wollten wir gestern unsere „Alters-Ruhesitz“-DKs auf der Ost-Tribüne Oberrang ausprobieren, die ich zurzeit noch bei einem Arbeitskollegen geparkt habe.

Aaaalso, sollte ich irgendwann nicht mehr in der Lage sein, die Spiele auf der Süd zu verfolgen, schaffe ich den langen, steilen Anstieg, direkt „unters-Dach-Juche“ auch nicht mehr. Von daher schon keine Option.

Nach der Kletter-Tour waren wir mit die Ersten im Block. Eine Stunde vorher. Zugegeben, auf der Süd muss man noch ne Stunde früher da sein, wenn man seinen Stammplatz ergattern will. Aber, dass die Letzten auf dieser merkwürdigen Tribüne meinen, zwei Minuten nach Anpfiff aufzutauchen, hat mir das erste Mal die Zornesröte ins Gesicht getrieben.

Der zweite Punkt war, dass sich in dem Block gut über ein Drittel Bremen-Fans rumgetrieben haben. Sorry, sowas bin ich von der Süd halt nicht gewohnt und ich kann da mal gar nicht mit umgehen. Wenn ich mir vorstelle, dass das Rote oder Blaue gewesen wären. Oje … das wäre überhaupt nicht gut gegangen.

Tja und der Rest? Ich umschreibe die BVB-Klientel mal freundlich als Touristen und Eventies. Wenn z. B. die Südtribüne zum Aufstehen auffordert, kommen die dem sogar nach, … um dann einfach nur rumzustehen und die Fresse zu halten!!! Hallo? Geht’s noch? In einer Leichenhalle ist da mehr Stimmung.

Und am Ende dann noch feiernde und feixende Bremer. Dann will man nur noch nach Hause. Tja, aber das dauert. Während man von der Süd aus innerhalb von 15 Minuten am Auto ist, kommt da nicht aus diesem verk*ckten Block raus.

Nach dem ich mich gebührend von meinen Bremer „Freunden“ verabschiedet habe, haben wir uns erstmal die Beine in den Bauch gestanden. Der Rückweg zum Auto hat dann mal die dreifache Zeit in Anspruch genommen, derweil auf dem Parkplatz auch nüscht mehr ging.

Sollte ich aus irgendeinem Grund nicht mehr auf die Südtribüne können, ist ein Sitzplatz jedenfalls überhaupt keine Alternative. Das ist einfach nur grausam. Null Stimmung, nur Pappnasen (in grünweiß und schwarzgelb) um einen rum und dazu die Eintrittskarte über doppelt so teuer. Mahlzeit.

Man kann über die Süd gerne meckern, die Attitüden der Ultras verurteilen und über die raue Gangart die Nase rümpfen – ich will nie wieder die Plätze tauschen.

Die Süd ist meine Heimat, da stehe ich mit Leuten die ich verstehe und die mich verstehen.

South till I die.

Sorry, aber der Frust musste mal raus …



Ich hab‘ mich nie verbogen,

das ist alles was ich weiß.

Und ich laufe gerade weiter,

denn so schließt sich für mich der Kreis.

(Peter Maffay)

Kommentare 5

  • Deubel!

    Haste wieder Luft?


    Schlechte Erfahrung gemacht, aufschreiben, abhaken ... feddich.


    Aber:

    Solche Erlebnis-Beschreibungen, egal welcher Couleur, finde ICH immer spannend und ja, es entrückt mir auch immer ein fettes großgeschriebenes Danke! - DANKE!

    • Danke. Mein Blutdruck hat sich auch wieder eingepegelt …

      Ich möchte auch nicht unerwähnt lassen, dass am Dienstag die Süd auch kein gutes Bild abgegeben hat. Ich war zwar von meinem Adlerhorst viel näher an der Süd, aber die Bremer waren doppelt so laut. Ich frage mich, ob das öfter so ist und die Selbstwahrnehmung auf der Südtribüne einfach eine andere ist. Passend dazu: https://www.schwatzgelb.de/art…wirste-nicht-vom-zugucken

  • Tja, ihr da auf der Süd seid schon etwas gaaanz Besonderes. Dagegen können wir Sitzplatzkanacken natürlich nicht anstinken. Es ist uns aber eine Ehre euch quersubventionieren zu dürfen... dafür müsst ihr dann Stimmung machen. Eine Hand wäscht halt die andere 😉.

    • Es ist halt meine persönliche Erfahrung, die ich gemacht habe. Kann ja auch sein, dass es bei euch im Unterrang anders abgeht. Dieser Block war für mich jedenfalls keine Alternative zum Stehplatz. Schon alleine das gemischte Publikum ist für mich ein NoGo.

    • Nein, sehr viel anders ist es bei uns im Unterrang nicht - obwohl wir ein reiner DK-Block sind, bei dem (in unserer direkten Nähe) nur fünf Karten zur freien Verfügung stehen (die dann zu 99% auch von den Auswärtsfans gekauft werden oder eben von „BVB-muss-man-einmal-gesehen-haben-Fans“). Wir sitzen jedoch so dermaßen nahe an den Auswärtsultras und -fans, dass - wenn diese richtig supporten - wir kaum etwas von der Süd mitbekommen. Tragen sich die Lieder und die Stimmung nicht über die Südost zu uns hin, verstehen wir nicht wozu die Süd auffordert oder was dort gerade gesungen wird. Manchmal bin ich die Einzige, die das „Aufstehen“ gehört hat und die Einzige, die in unsrem Block steht 😀, dann aber von den Hintermännern zum Hinsetzen ausgefordert wird, damit sie etwas sehen können. Ich finde das auch sehr schade, verurteile dennoch Deine harsche Kritik an den Sitzplätzlern, da die Wahrnehmung auf der Süd tatsächlich eine andere zu sein scheint.