Wir sind Teil des Geschäfts

Ich möchte Björns Blog dazu nutzen, um einmal meine Sicht auf die Dinge darzustellen. Ganz so dramatisch sehe ich die Situation um unseren Verein dann doch nicht. Es ist eine grundsätzliche Entwicklung des gesamten Fußballs und des Geschäfts um diesen. Die Ablösesummen steigen nun mal. Jahrelang waren Cristiano Ronaldo und Gareth Bale die teuersten Transfers. Und schon damals hielt man solche Ablösesummen für unangemessen. Dass Paris Saint-Germain dann auf einmal über 200 Millionen für Neymar auf den Tisch legt, damit hatte nicht mal Barca gerechnet.

Am Ende sind es einige wenige Klubs und Manager, die diese Summen bezahlen. Und Klopp gehört inzwischen auch zu diesen Managern. In gewissem Maße ist das wohl normal, wenn man das Geld dafür zur Verfügung hat. Aber ich möchte nur, dass nicht vergessen wird, dass auch er inzwischen mit Geld um sich wirft. Über 60 Millionen für Alisson Becker, fast 80 Millionen für Virgil van Dijk und 60 Millionen für Naby Keita. In der Premier League hat man nun mal das Geld – und dafür braucht man nicht mal einen Scheich im Hintergrund.

In Deutschland profitiert man eigentlich nur davon. Die Ablösesummen, die für Spieler aus der Bundesliga gezahlt werden, sind weitaus höher als die Ablösesummen, die die Bundesligisten für Spieler zahlen. Watzke und Zorc sind herausragend in diesem Spiel. Dembélé, Aubameyang, jetzt Pulisic, das sind alles Spieler, die günstig eingekauft und teuer verkauft wurden. Aber obwohl wir das Geld haben, suchen wir nicht plötzlich nach den namhaftesten Spielern.


Wir haben im Sommer Delaney, Witsel und Diallo gefunden. Sicher, wir haben auch für diese drei Spieler sehr viel Geld bezahlt – etwas mehr als Liverpool nur für Alisson Becker zahlte. Bisher bekommt der BVB den Spagat zwischen Wirtschaftsunternehmen und trotzdem noch Sportverein ziemlich gut hin. Aber natürlich werden auch wir keine Spieler mehr für das Geld bekommen, das man noch vor zehn Jahren aufbringen musste. Auch einen Neven Subotic würde man heute nicht mehr für knapp 5 Millionen Euro von Mainz 05 bekommen.


„Perlen“ wie ihn finden wir trotzdem. Von Delaney und Witsel halte ich zum Beispiel sportlich und charakterlich unglaublich viel. Dass auch sie nicht für einen Hungerlohn bei uns spielen, ist doch logisch. Auch sie suchen nach dem passenden Klub. Und der mögliche Verdienst ist eben ein Aspekt bei dieser Suche. In diesem Punkt sind Fußballer gewöhnliche Arbeitnehmer. Wir müssen einen Weg finden, für solche Spieler der passende Verein zu sein. Nachdem wir diesen Weg zwischenzeitlich mal verlassen hatten, finde ich, sind wir jetzt wieder genau richtig.


An der allgemeinen Situation im Fußball können Watzke und Zorc nichts ändern. Sie können nur versuchen, Teil des Geschäfts zu bleiben und dabei ihre und die Werte von Borussia Dortmund halbwegs zu erhalten. Gleiches gilt für uns Fans. Schauen wir uns das Ganze an, sind wir nun mal Teil des Geschäfts, ob wir wollen oder nicht. Wir haben einen maßgeblichen Anteil daran, dass diese Ablösesummen und diese Gehälter gezahlt werden können. Der Ausweg heißt Hartplatz.


Mir gefällt der hier im Forum neuerdings öfter mal formulierte Gedanke, man müsse nur mit genug Geldscheinen wedeln, dann würden Spieler und Verein schon schwach werden, auch nicht. Ganz falsch ist diese Sichtweise halt leider nicht. Der Fußball bringt eben nicht nur Kubas hervor, sondern leider auch Dembélés. Unsere Verantwortlichen wissen das und es macht den Eindruck, dass sie ihre Lehren daraus gezogen haben. Das wiederum macht mir Hoffnung, dass die „Echte Liebe“ eben doch noch nicht verloren ist.

Kommentare 2

  • Für mich geht es gar nicht um die Ablösesummen. Die werden (schlecht) über das FFP reguliert. Der BvB hilft aber nun einem anderen Verein dabei, diese ohnehin schwachen Regeln noch zu umgehen, in dem der BvB den Spieler offiziell im Winter abgibt und er dennoch bis Sommer beim BvB spielt.

    • sicher muss man nicht alles mitmachen, was erlaubt ist, aber Grundübel sind eben die schwachen Regeln