Wer sind wir?

Wer oder was sind wir? Klar, in erster Linie ein Fußballverein und als dieser zählt messbarer Erfolg in Form von Punkten und Platzierungen. Dann sind wir auch noch ein börsennotiertes Wirtschaftsunternehmen. Auch hier steht der Erfolg im Vordergrund, wenn auch in Form von harten Euros und Bilanzen. Beides will und kann ich nicht in Abrede stellen. Dennoch ist Borussia Dortmund mehr als Zahlenwerk auf einem Stück Papier. Wie würden wir uns sonst von anderen Vereinen unterscheiden? Sicher nicht nur durch die Trikot-Farbe. Da ist zum einen unser Branding „Echte Liebe“. Viele werden jetzt sagen, das ist eine reine Marketing-Kampagne. Richtig, aber irgendein findiger Marketing-Schlaukopf wird sich ja Gedanken gemacht haben, was den BVB ausmacht und ist zu dem Schluss gekommen, dass die tiefe Verbundenheit zwischen Verein und Fans unser Markenzeichen ist. Da hätten wir also eine tragende Säule. Was macht jetzt diese Identifikation aus? Sind es die Erfolge? Mit Sicherheit nicht! Gerade wir Fans von Borussia Dortmund sind bekannt dafür, gerade in schlechten Zeiten zu unserem Verein zu stehen. Jürgen Klopp hat es einmal sehr treffend nach der Pokalfinal-Niederlage gegen die Bayern gesagt: „Wir sind anders.“ Punkt!

Seitdem hat sich einiges geändert. Zwar sind die ganz großen Titel ausgeblieben, aber wirtschaftlich ist der Verein immer weiter gewachsen. Transfereinnahmen und -ausgaben haben in Dortmund Dimensionen angenommen, die wir vor ein paar Jahren noch ins Reich der Fabel verwiesen hätten. Anscheinend ist es so, dass wir außer mit den ganz großen Vereinen, mit jedem mithalten oder sogar übertrumpfen können. Muss ich das gut finden? Nein, muss ich nicht! Dass wir mittlerweile in der Lage sind, jeden Spieler so mit Geld zuzusch(m)eißen, dass ihm gar nichts übrigbleibt als zu uns zu wechseln, finde ich gelinde gesagt schei*e. Solche „Perlen“ wie Neven oder Kuba findet man so sicher nicht. Keinen Spieler, der einfach nur kommt, weil es geil ist in diesem Stadion und vor diesen Fans zu spielen. Hazard z. B. mag ein geiler Kicker sein, aber ich möchte, dass solche Spieler zum BVB und nicht zu einem „Geldautomaten“ wechseln. Ich brauche nicht den neuen Aubameyang oder Dembele. Und jetzt ausgerechnet Chelsea dabei zu helfen, mit den Modalitäten des Pulisic-Transfer, das FFP auf Biegen und Brechen zu vergewaltigen, passt ins Bild.

Jetzt kann man trefflich darüber streiten, ob es richtig oder falsch ist, wie sich unser Verein verhält. Die einen zucken mit den Schultern und sagen, dass so leider das Geschäft ist – die anderen, dass das nichts mehr mit unserem BVB zu tun hat. Aber Tendenzen das alles auch noch zu goutieren und „geil“ zu finden, finde ich zum kotzen. Diese Arroganz, die sich unter uns Fans breit macht, passt nicht zum BVB. Ich habe das schon einmal gesehen. Das war zu Zeiten von Niebaum/Meier. Und selbst, wenn es jetzt nicht mehr zum Total-Crash kommen kann, will ich nicht, dass gerade wir Fans zu so einem A*loch-Verein wie die Bayern mutieren. Das ist nicht die DNA von Borussia Dortmund und für mich nicht verhandelbar. Sollten mal schlechtere Zeiten kommen, kann es nämlich sein, dass dann die Säule „Echte Liebe“ ganz schnell wegbricht und dann kann sich ein anderer findiger Marketing-Schlaukopf einen neuen Spruch überlegen.

Kommentare 5

  • Danke für eure Anmerkungen.

    Zurückdrehen werden wir das Rad nicht mehr und es ist richtig, dass die GL einige Sachen anders sehen muss, als ein Fan. Jedoch können wir durch unsere Grundhaltung ein wenig die Bremse treten. Und das fängt bei mir schon damit an, dass ich nicht einen Transfer "abfeier", bei dem wir den Spieler eines anderen Vereins "abspenstig" machen.

  • Prima - danke!

    Und das insbesondere deshalb, weil wir hier als (idealistische?!) FANs schreiben. Die GL muss anderen Ansprüchen genügen, aber eben auch nicht alles mitmachen.

    Stichwort: Super League (SL).

    JA, wenn sie kommt, rein da - als einer von 2 Vereinen.

    NEIN, nicht um den Preis der BuLi-Teilnahme.


    Als FAN bräuchte ich die SL gar nicht!

  • Danke Björn, damit hast Du mir aus der Seele gesprochen.

  • Schöner hätte ich es nicht schreiben können. Vielen Dank.