Ausblick: Bullen zu Besuch

Am Wochenende startet die Bundesliga in ihre neue Saison. Zeit also, mal einen kurzen Ausblick zu wagen, was auf Borussia Dortmund zukommt. Grundsätzlich kann man sich für ein erstes Spiel schönere Gegner als RB Leipzig vorstellen. Aber zumindest hat man ein schweres Spiel dann schon mal hinter sich gebracht.


Nützlich dürfte dabei die Motivation aus dem Pokalspiel in Fürth sein. Fußballerisch von beiden Mannschaften sicherlich keine Glanzleistung, aber Schwarzgelb hat mal wieder „Eier“ gezeigt. Wo in der letzten Saison Spiele schon vor dem Abpfiff gefühlt aufgegeben wurden, hat man diesmal wieder gekämpft. Aufbruchstimmung, auch wenn noch lange nicht alles perfekt läuft. Gerade an Durchschlagskraft fehlt es. Der bisher nur gewünschte Mittelstürmer ist zu einer Notwendigkeit geworden, wird aber zum Sonntag wohl noch nicht anwesend sein.


Dennoch könnte RasenBallsport Leipzig dabei genau der richtige Gegner sein, um auch ohne echten Stürmer zu den ersehnten Toren zu kommen. Mit Reus, Pulisic und Wolf stehen schnelle Spieler zur Verfügung. Gerade über die Flügel dürften sich ein paar Chancen ergeben. In Leipzigs 4-2-2-2 stoßen die beiden Außenverteidiger bei eigenem Ballbesitz fast schon bis zur gegnerischen Grundlinie vor und öffnen damit Räume, die es für den BVB zu nutzen gilt. Teilweise sichern nur die Innenverteidiger ab, was im DFB-Pokal auch Viktoria Köln für sich zu nutzen wusste. Schaltet man schnell um, können die beiden Außenverteidiger nicht mehr reagieren. Schnell hat man eine Überzahlsituation, denn einer der beiden Innenverteidiger muss rausrücken, was Platz im Zentrum schafft. Die Flanke nach innen und man hat eine realistische Torchance.


Um aber überhaupt in diesen Genuss zu kommen, muss der BVB defensiv ordentlich arbeiten. Leipzig macht nach vorne enorm Druck, kann den Ball auch auf engstem Raum behaupten. Die beiden Flügelspieler stehen relativ mittig für ihre Position und arbeiten der Doppelspitze zu. Teilweise stoßen die Roten Bullen mit vier oder fünf Spielern in den gegnerischen Strafraum vor. Und während Marcel Sabitzer noch immer individuell trainiert, wird Timo Werner nach überstandenen Magen-Darm-Problemen wieder mit von der Partie sein, was das Ganze für Akanji und Diallo nicht einfacher macht. Hier sind auch die Außenverteidiger gefragt, die Hereingaben bestenfalls zu unterbinden, da sich im Strafraum andernfalls ausreichend Abnehmer dafür finden würden.


Was für Borussia Dortmund der Mittelstürmer ist, ist für RB Leipzig der Spielmacher. Der Abgang von Naby Keita zum FC Liverpool schmerzt trotz der 60 Millionen Euro Entschädigung. Einen Nachfolger hat Rangnick bisher nicht gefunden und der mal gehandelte Sebastian Rudy wird es wohl auch nicht werden. Stattdessen will man den Verlust im Kollektiv auffangen. Doch ähnlich wie beim BVB, ist das wohl eher nicht die optimale Lösung. Generell hat man sich im Mittelfeld nicht verstärkt. Die Neuzugänge: Nordi Mukiele (20, Montpellier) und Marcelo Saracchi (20, River Plate) für die Abwehr und Matheus Cunha (19, FC Sion) als weitere Option in der Spitze.


Gerade Saracchi machte im Pokalspiel auf sich aufmerksam, nicht nur durch seinen Platzverweis. Rangnick hatte ihn und Kampl zu Beginn der zweiten Halbzeit für Ilsanker und Laimer gebracht und sagte nach dem Spiel: „Die zweite Halbzeit war ein ganz anderer Auftritt. Sicherlich auch durch die Hereinnahme von Kevin Kampl und Marcelo Saracchi. Aufgrund dessen bin ich insgesamt zufrieden.“ Auch für den ersten Spieltag sind die beiden damit eine realistische Option (Saracchis Sperre gilt nur im DFB-Pokal). Im Pokalspiel war die Halbzeit der Knackpunkt, denn Rangnick hatte bis dahin die Probleme in seiner Mannschaft erkannt und stellte sie ab. Das heißt für den BVB, dass man am besten schon in den ersten 45 Minuten die Torchancen nutzt, wenn Rangnick noch keine Zeit hatte, sein Team auf eventuelle Überraschungen einzustellen.


Im Grunde gelten gegen RB Leipzig aber die gleichen Bedingungen wie gegen jeden anderen Gegner auch: hinten sicher stehen und vorne die Chancen nutzen. Gerade Letzteres ist bei Schwarzgelb aktuell ein Problem. Das Pokalspiel gegen Greuther Fürth hätte zu einer sicheren Sache werden können, wenn Reus in seiner neuen Rolle als Aushilfsmittelstürmer kaltschnäuziger gewesen wäre. Auf ungewohnter Position ist ihm dabei aber nur bedingt ein Vorwurf zu machen: es fehlt ein Mittelstürmer. Außerdem fehlen Jacob Bruun Larsen (Verletzung am Fuß) und vermutlich Julian Weigl, der sich noch im Aufbautraining befindet.


Geht man davon aus, dass es Favre wieder im 4-2-3-1 versuchen wird, dürften wieder Dahoud und Delaney die Doppelsechs bilden. Zwar überzeugte Dahoud zuletzt nicht wirklich und fiel vor allem durch unüberlegte Aktionen mit dem Ball auf, aber Witsel, der nach seiner Einwechslung echte Leader-Qualitäten andeutete, dürfte noch nicht so weit sein, um über die volle Distanz gehen zu können. So wird die Startelf wohl wieder sehr ähnlich oder sogar genauso aussehen wie zuletzt: Bürki – Piszczek, Diallo, Akanji, Schmelzer – Delaney, Dahoud – Pulisic/Sancho, Götze, Wolf/Sancho – Reus. Dem entgegen könnte Leipzig wie folgt antreten: Gulasci – Saracchi, Orban, Upamecano, Klostermann – Ilsanker, Demme – Bruma, Kampl – Werner, Augustin.


Leicht wird dieses Spiel auf keinen Fall und es werden wohl Kleinigkeiten entscheidend sein. Bei RB Leipzig ist der Macher selbst wieder am Steuer, auch wenn sich dadurch gar nicht so viel verändert. Man wird nicht alle Angriffe der Roten Bullen abfangen können und mindestens ein Gegentor wird wahrscheinlich fallen. Gleichzeitig gilt es aber, vorne die sich bietenden Chancen zu nutzen. Mein Tipp: ein offenes, temporeiches Spiel, das mit einem 2:2 endet. Punkteteilung zu Beginn: nicht perfekt, aber auch keine Katastrophe.

Kommentare 1

  • Ich möchte mich ja gerne der sehr schönen Analyse und dem sich daraus ergebenden Resultat anschließen - ein Unentschieden wäre auch für mich OK! Alleine ... ich glaube nicht daran. Dafür ist es m.E. noch zu früh in der Saison und wir haben eine Menge "Unsicherheitsfaktoren" in den eigenen Reihen.

    Ich denke, das gibt eine Niederlage. Nicht klar, wir werden nicht weggefegt, aber eben geschlagen.