Gedanken zur neuen Saison

Die neue Saison rückt immer näher und ich möchte die Gelegenheit mal nutzen, ein paar Gedanken zu sammeln und zu ordnen. Dabei ist mir wichtig, dass der Blick nach vorne geht. Also dann...


Der Trainer

Die Euphorie um Lucien Favre ist groß. Man hat fast schon das Gefühl, es könnte gar nicht nicht funktionieren. Als sei die Vizemeisterschaft schon sicher und der FC Bayern gar nicht mehr so weit entfernt. Ich bin da etwas skeptischer. Große Begeisterung hat Favre bei mir ohnehin noch nicht ausgelöst. Aber ich habe mir gesagt, dass ich neutral an die Sache herangehen werde – sofern das eben möglich ist. Also hat Favre nun jede Chance, mir zu beweisen, warum ausgerechnet er der richtige Mann für den BVB ist.


Was man bisher mitbekommt, er scheint die Mannschaft wieder zu einen. Das war und ist in meinen Augen die größte Aufgabe. Nach anderthalb aufwühlenden Jahren freue ich mich schon fast wieder auf etwas Ruhe um den Verein. Mit Favre als Trainer, der viele Grüppchen auf den ersten Blick geschlossen hinter sich gebracht hat, scheint es endlich wieder eine richtige Mannschaft zu geben. Damit hat er nicht nur die ersten Pluspunkte bei mir gesammelt, auf diese Mannschaft freue ich mich sogar richtig.


Der Kapitän

Dass Schmelzer die Binde nun abgegeben hat, ist ein Verdienst. Sicherlich ist er ein wichtiger Teil im Mannschaftsgefüge. Als Kapitän sah ich ihn jedoch ungeeignet. Erst mal erzeugte es einen Druck, den man ihm vor allem gegen Ende der letzten Saison anmerkte. Aber auch vom Charakter her war er mir für einen Kapitän auf dem Platz zu leise. Hier braucht es einen, der auch mal lautstark vorangeht.


Marco Reus ist da in meinen Augen genau der Richtige. Der einzige echte Star in der Mannschaft, dessen Wort in der Öffentlichkeit von vorne herein Gewicht mitbringt. Dazu hat er in den letzten Jahren bewiesen, dass er das Spielgeschehen durch sein Auftreten und sein Können leiten und entscheiden kann. Nicht ohne Grund war er oftmals der „Dosenöffner“, derjenige, der elementar am ersten Tor beteiligt war.


Ich mache mir nur um seinen Gesundheitszustand etwas Sorgen. Ein Kapitän muss auch auf dem Platz stehen. Nur habe ich bei jedem Foul an Reus gleich Sorge, dass er sich verletzt. In diesem Fall müsste man dann überlegen, wer geeignet wäre, Reus in dieser Funktion zu vertreten. Ich denke aber mal, dass sich über die Saison noch ein oder zwei Anführer zeigen werden. Delaney traue ich das zum Beispiel zu.


Die Vereinsführung

Sebastian Kehl ist meine große Hoffnung. Ich kann gar nicht genau sagen, warum, aber ich habe ein grundsätzliches Vertrauen in ihn und sein Handeln. Er scheint mir die perfekte Besetzung zu sein, wenn es darum geht, Mannschaft und Vereinsführung zu verbinden. Sein Auftreten ist souverän, seine Antworten sind glaubwürdig. Ich gerate fast schon ins Schwärmen, wenn ich ihn sehe. Ein großartiger Typ.


Kommen wir nun zum nicht ganz so großartigen Typ. Das soll gar nicht ernsthaft abwertend gemeint sein, ich kann mich auf persönlicher Ebene – sofern man hier davon sprechen kann – nur einfach nicht so ganz für Matthias Sammer erwärmen. Dabei verbinde ich übrigens nichts mit dem Spieler oder dem Trainer Sammer, da ich ihn in dieser Form nie erlebt habe.


Der entscheidende Punkt ist aber, ob er dem Verein weiterhilft. Und hier ist die Antwort für mich ein ganz klares Ja. Fachlich ist Sammer absolut top. Ich schätze es zudem so ein, dass er einen kritischeren Blick auf das Geschehen hat, weil er nicht direkt involviert ist. Meine Hoffnung ist, dass er auf kleinere Unstimmigkeiten hinweisen kann, die andernfalls erst auffallen würden, wenn sie bereits zum Problem geworden sind.


Unsere Vereinsführung weckt in mir jedenfalls ein Vertrauen, das schon längere Zeit nicht mehr da war. Auch Watzke und Zorc wirken auf mich wieder frischer. So, als habe man nun endlich einen Haken an die letzten anderthalb Jahre gemacht. Ein Neustart ist diesmal möglich. Das macht mir Mut.


Die Neuzugänge

Teilweise gab man in den letzten Jahren viel Geld für einzelne Spieler aus. Ich fand das nicht immer ganz so überzeugend. In diesem Sommer ist es Abdou Diallo. Sicherlich ein guter Verteidiger, aber mir waren die fast 30 Millionen Euro an Ablöse ein wenig zu viel. Leider wird man solche Summen in der einen oder anderen Situation bezahlen müssen, wenn man einen Spieler haben möchte.


Wenn es nun gut läuft, haben wir mit Diallo und Manuel Akanji, dessen Transfer ich damals sogar verurteilt habe, auch auf lange Sicht ein starkes Abwehrzentrum. Dann will ich nichts zur Ablöse gesagt haben. Ich tue mich momentan einfach noch etwas schwer damit, dass Transfers zwischen 20 und 30 Millionen Euro inzwischen auch für uns ganz normal geworden sind.


Zweimal 20 Millionen waren es auch für Thomas Delaney und Axel Witsel. Beiden begegne ich mit gespannter Erwartung, vielleicht sogar etwas Vorfreude. Generell muss ich sagen, dass mir viele unserer Transfers erst nach einigen Tagen oder Wochen gefallen haben – im ersten Moment war ich immer etwas skeptisch. Aber je näher der Saisonstart rückt, desto mehr setzt sich bei mir ein stimmiges Bild zusammen.


Das gilt auch bei Marwin Hitz. Erst etwas kritisch, man könnte Roman Bürki einen Torwart vor die Nase gesetzt haben, der keine Verbesserung darstellen würde, bin ich inzwischen ganz froh, dass wir wieder zwei sehr ordentliche Torhüter haben. Die klare Situation, dass Bürki die Nummer eins ist, macht das natürlich für mich angenehmer, da ich sehr viel von Bürki halte.


Einzig bei Achraf Hakimi bin ich nach wie vor skeptisch. Für mich passt dieser Transfer noch immer nicht in die BVB-Philosophie. Der Spieler an sich passt, nur die vertraglichen Umstände tun es nicht. Eine Leihe ohne Kaufoption, immer die Gefahr, dass wir einen Topspieler hervorbringen, von dem wir dann nichts mehr haben – ich habe dazu einiges geschrieben. An dieser Meinung hat sich wie gesagt nichts geändert, ich lasse mich da aber gerne eines Besseren belehren.


Ein Transfer ganz nach meinem Geschmack war hingegen Marius Wolf. Ein junger Flügelspieler, der meines Erachtens sehr viel Potenzial hat und dem ich sogar über kurz oder lang einen Platz in der Nationalmannschaft in Aussicht stellen würde. Er kennt die Liga und hat sich in den letzten Jahren nach oben gekämpft. Dass er dann auch noch gerade mal fünf Millionen Euro gekostet hat – ein Traum. Erinnert mich an manche Transfers aus den Anfangszeiten meines Fanseins.


Im Großen und Ganzen bin ich jedenfalls recht zufrieden mit den Transfers. Auch die Einstellung in puncto Mittelstürmer gefällt mir. Ich hätte zwar gerne noch einen neuen Mann für die Sturmspitze, aber eben nicht um jeden Preis. Zwanghaft irgendwen zu holen, nur um einen Mittelstürmer zu haben, wäre sinnlos. Ich bin da also entspannt und vertraue auf unsere Vereinsführung (siehe oben).


Meine Erwartungen

Auch wenn ich der neuen Saison grundsätzlich sehr positiv entgegenblicke, möchte ich die Euphorie und die Erwartungen doch nicht zu groß werden lassen. Erst mal geht es darum, wieder Konstanz in die Leistungen zu bringen. Eine sorgenfreie Saison, mit einer Champions-League-Qualifikation ohne Zittern, das ist meine Erwartung. Ob das nun Platz zwei, drei oder vier ist, ist für mich erst einmal sekundär.


Im Gegensatz zu den Jahren vorher haben mit Schalke, Hoffenheim und Leipzig auch ein paar Vereine zu uns aufgeschlossen. Auch mit Leverkusen ist zu rechnen. Sollte es tatsächlich einen „Bayern-Jäger“ geben, muss das nicht mehr zwangsläufig der BVB sein. Ohnehin sollten wir nun erst mal wieder ganz auf uns schauen. Der Blick geht dann schon schnell genug wieder in Richtung München.


Heja BVB!

Kommentare 3

  • Mir ist wichtig ,das Wir wieder Fußballspielen was bei rauskommen wird ist erst mal zweitrankig für mich nur ohne laufen ,kampfen und leidenschaft wird das nix..und da müssen wir erst mal wieder hinkommen ...

  • Sehr schön zusammengefasst und ich stimme Dir in fast allen Punkten zu.

    Ich bin lediglich der Meinung, dass wir auf der Sturmposition in die vollen gehen sollten. Von mir aus können da gerne bis zu 70 Mio. locker gemacht werden. Problem ist auf dem Markt den entsprechenden Spieler zu finden, der auch gewillt ist zu uns zu kommen (Morata scheint das leider nicht zu sein).

    Hauptaufgabe wird es sein, Mannschaft und Fans wieder zu einen. Die Mannschaft muss wieder zeigen, dass sie gewillt ist den Rasen umzupflügen. Dann vergeben die Fans auch Phasen in der Saison, in denen es mal nicht läuft und die werden mit Sicherheit kommen.

    Bei mir steigt das Fieber jedenfalls täglich (nein, das liegt nicht an der Hitze). Lasst die Spiele beginnen!

    • Den entsprechenden Spieler finden, genau darin sehe ich das Problem. Morata wird nicht wechseln. Sonst sehe ich aber gerade keinen Stürmer, für den es sich lohnen würde, so tief in die Tasche zu greifen – und der auch zu uns wechseln würde. Mit 60, 70 Millionen Euro für einen echten Topstürmer könnte ich zumindest leben, auch wenn ich eben kein Fan solcher Ablösen bin. Nur bitte nicht irgendeinen Mittelklassestürmer für 40 Millionen Euro holen, nur, um sagen zu können, dass man einen Mittelstürmer hat.